Veranstaltungsarchiv

AG Kunstproduktion und Kunsttheorie im Zeichen globaler Migration

Call for Papers

CFP: Repräsentationsregime der Migration (Darmstadt, 18 Nov 17)

TU Darmstadt, 18.11.2017
Deadline: Sep 29, 2017

Repräsentationsregime der Migration.
Kunst- und kulturwissenschaftliche Perspektiven

Workshop der AG Kunstproduktion und Kunsttheorie im Zeichen globaler Migration:

„Der Mensch ist frei, weil er sich mit einer unvorhersehbaren und unerklärlichen Bewegung gegen seine Bedingungen empören kann und sie verändern kann.“ (Vilém Flusser)

Vilém Flusser konzeptioniert das Migratorische stets als „Freiheit des Migranten“ (Flusser 1994); die migratorische Bewegung beschreibt er als „schöpferischen Prozess“, obwohl sie mit Phänomenen des Vertriebenseins und der gewaltsamen Entortung verknüpft ist. Während Flusser die Handlungspotentiale des migrantischen Subjekts betont, werden im politischen Diskurs Migration und Flucht mehrheitlich als Phänomene behandelt, die die Freiheit von Staat und Individuum gefährden oder gar bedrohen. Die visuelle Repräsentation von Migration, z.B. in der Medienberichterstattung oder in den sozialen Netzwerken, arbeitet häufig mit Blickregimen, die den Körper des/der Migrant_in ethnisch bzw. geschlechtlich kodieren sowie in politischen und kulturellen Machtverhältnissen verorten und dadurch fixieren. Stuart Hall bezeichnet demzufolge „das gesamte Repertoire an Bildern und visuellen Effekten, durch das ‚Differenz‘ in einem beliebigen historischen Moment repräsentiert wird, [...] als Repräsentationsregime“ (Hall 2004). Zahlreiche künstlerische Positionen hinterfragen solche stereotypisierenden Festschreibungen aber auch und nehmen alternative Sichtweisen ein, um neue Perspektiven auf Migration zu eröffnen. Auch Bilder bzw. Videos (harragas), die von Geflüchteten selbst aufgenommen und zirkuliert werden, können tradierte Sichtweisen verschieben oder verändern.
Ziel des Workshops „Repräsentationsregime der Migration“ ist es daher, dieses Spannungsverhältnis zwischen Handlungspotential und visuellem Apparat am Beispiel von Kunst und Alltagskultur kritisch zu hinterfragen. Dabei sollen Aushandlungsprozesse im Kontext von Migration mit Theorien zur visuellen Repräsentation zusammengedacht werden.

Wir erbitten Vortragsvorschläge, die den Zusammenhang von Migration und visueller Kultur, insbesondere auch im Rahmen künstlerischer Produktion, theoretisch beleuchten. Wir freuen uns auf die Einsendung kurzer Exposés (max. 500 Wörter) für einen zwanzigminütigen Vortrag auf Deutsch oder Englisch und einen kurzen Lebenslauf (max. 1000 Zeichen) bis zum 29. September 2017 an: oesterreich@mode.tu-darmstadt.de

Organisation und Leitung des Workshops:
Prof. Dr. Alexandra Karentzos, Miriam Oesterreich M.A., apl. Prof. Dr. Melanie Ulz

Reference:
CFP: Repräsentationsregime der Migration (Darmstadt, 18 Nov 17). In: ArtHist.net, Sep 20, 2017 (accessed Sep 25, 2017), <https://arthist.net/archive/16137>

Symposium, Herford, 8.7. 2017

Looking Both Ways. Bildpolitiken zeitgenössischer Künstlerinnen aus dem Nahen Osten und in der Diaspora

Ein Symposium der AG „Kunstproduktion und Kunsttheorie im Zeichen globaler Migration“ im Marta Herford, 8. Juli 2017

Zwischen Zonen. Künstlerinnen aus dem arabischen-persischen Raum / Suspended Territories. Artist from the Middle East and North Africa – so lautet der Titel einer Ausstellung im Museum Marta Herford (24. Juni - 25. September 2017). Die AG „Kunstproduktion und Kunsttheorie im Zeichen globaler Migration“ ist eingeladen, in diesem Rahmen eine Tagung zu organisieren. Unsere eintägige Veranstaltung nimmt die im Titel postulierte intermediäre Perspektive von Künstlerinnen aus dem Nahen Osten auf, indem wir Orte und Positionen, die spezifischen politischen und gesellschaftlichen Produktionskontexte sowie die damit verbundenen künstlerischen Formen zum Ausgangspunkt unserer Betrachtungen machen. Wir gehen davon aus, dass sich Erfahrungen und Strategien von Kulturproduzentinnen aus dem Nahen Osten, die sich mit Politiken, historischen Umbrüchen und Gesellschaft befassen, je nach Kontexten und Möglichkeiten unterscheiden. So fragen wir einerseits nach Handlungsoptionen und ästhetischen Konzepten derjenigen, die vornehmlich in ihren Geburts- oder Herkunftsländern agieren. Fragen zur ‚Innenperspektive‘ sind hier relevant, um Künstlerinnen und ihre Arbeiten in den Mittelpunkt zu rücken, die im eigenen Land nach Möglichkeiten der künstlerischen und politischen Teilhabe streben, und somit aktiv an der Auseinandersetzung mit Konfliktzonen und der Konstruktion von umstrittenen Aktionsräumen beteiligt sind. Andererseits rücken Fragen nach der ‚Außenperspektive‘, die oft im Sinne eines Looking Both Ways durch ihre doppelte Positionierung und Kenntnis bestimmt ist, in den Blick. Hier ist die Verschränkung von künstlerischer Praxis und Mobilitäts-, Migrations- und Exilerfahrungen zentral: Wie wirkt sich eine neu erlangte Unabhängigkeit und künstlerische Freiheit auf das Arbeiten aus? Möglichkeiten der Intervention von Künstlerinnen sind hier zu diskutieren, die ihre Heimat aus persönlichen oder politischen Gründen verlassen mussten. Interessant erscheint uns hier eine historische Betrachtung: welcher Art gestalten sich beispielsweise in Zeiten globaler mediascapes Formen möglicher Kooperationen? Wie arbeiten Innen- und Außenstehende zusammen?

An diese künstlerischen Innen- und Außenperspektiven schließen sich grundlegende Überlegungen zur Ästhetik des Politischen oder zur Politisierung des Ästhetischen an. Inwieweit kommen künstlerische Traditionen, Nationalismen, aber auch „westlich“ oder „östlich“ verstandene Prägungen zum Einsatz? Wie vertragen sich ästhetische Konzepte und politische Impulse mit Erfahrungen in Konfliktzonen im eigenen Land oder im Exil?

Auch die Zuschreibungen an eine als „arabisch“ oder „islamisch“ verstandene Kunst, welche vielfach in westlichen Kontexten produziert und zirkuliert wird, sollen auf den Prüfstand gestellt werden. Inwieweit prägen Konzepte des Politischen und des Kulturellen, die noch immer von Kunst aus dem Nahen Osten oder dem Vorderen Orient erwartet werden, auch deren Wahrnehmung?

Damit stellt sich das Symposium kritisch seinem eigenen Thema, und hinterfragt theoretische Konzepte und Zuschreibungen aus der eigenen westlich-orientierten kunsthistorischen Perspektive.

 

Konzeption: Cathrine Bublatzky, Burcu Dogramaci und Kerstin Pinther für die AG „Kunstproduktion und Kunsttheorie im Zeichen globaler Migration“

 

Ort & Programm

Looking Both Ways. Bildpolitiken zeitgenössischer Künstlerinnen aus dem Nahen Osten und in der Diaspora

Ein Symposium der AG „Kunstproduktion und Kunsttheorie im Zeichen globaler Migration“ im Marta Herford, 8. Juli 2017

Ort

MARTA Herford
Goebenstrasse 2-10
32052 Herford

https://www.museum.de/museen/marta-herford

 

Programm

10.00 – 11.00    Michael Kröger (Marta Herford)

Kuratorenführung durch die Ausstellung Zwischen Zonen. Künstlerinnen aus dem arabisch-persischen Raum

11.30 – 12.00    Cathrine Bublatzky, Burcu Dogramaci, Kerstin Pinther

Begrüßung und Einführung

12.00 – 12.45    Charlotte Bank (Universität Genf)

Syrische Künstlerinnen im 21. Jahrhundert: Engagement, Marginalität und Migration

13.00 – 14.00    Mittagspause

14.15 – 15.00    Cathrine Bublatzky (Universität Heidelberg)

‚Looking both ways’: Kunst der politischen Teilhabe am Beispiel von Künstlerinnen aus dem Iran

15.00 – 15.45    Judith Bihr (ZKM Karlsruhe)

Knowledge is Sweeter than Honey. Subversive Bildstrategien als kritische Unterwanderung vorgefasster Kategorien im Werk von Susan Hefuna und Marwa Adel

15.45 – 16.15    Kaffeepause

16.15 – 17.00    Melanie Ulz (Universität Osnabrück)

Superheroes und andere Held_innen. Das Heroische als politisch-künstlerische Strategie zwischen Aneignung, Einschreibung und Umdeutung

17.00 – 17.45    Katrin Nahidi (Freie Universität Berlin)

Abgesagt – Kunst als zivilisatorische Kraft? Ein Fallbeispiel der Teheran Sammlung in der Nationalgalerie Berlin

18.15 – 19.30     Abendvortrag mit Filmscreenings

Viola Shafik (Ludwig-Maximilians-Universität München)

Who is that I that is speaking? Über die Ich-Erzählung im Dokumentarfilm Arij (2014)

Konzeption: Cathrine Bublatzky, Burcu Dogramaci und Kerstin Pinther für die AG „Kunstproduktion und Kunsttheorie im Zeichen globaler Migration“

Tagung an der LMU München, 9.-11. Februar 2017

Design Dispersed. Formen der Migration und Flucht / Design Dispersed: Forms of Migration and Flight

Organisatorinnen: Burcu Dogramaci, Kerstin Pinther für die AG
Kunstproduktion und Kunsttheorie im Zeichen globaler Migration

(English version below)

Die transdisziplinäre Tagung „Design Dispersed“ will den komplexen und heterogenen Verbindungslinien zwischen Migration und Design im 20. und 21. Jahrhundert nachgehen. Deren Spannbreite reicht von Hussein Chalayans Kollektion „Afterwords” (2000), in der Migration und Displacements über die Transformation von Möbeln in mobile Kleidungsstücke thematisiert werden, oder der „Migration Series“ (2013) des in Beirut ansässigen Bokja Design zu Walé Oyéjidés Modeentwürfen „After Migration“ (2016) und zu Lucy Ortas „Refuge Wear – Habitent“ (1992/93). Einzubeziehen sind aber auch historische Projekte des emergency shelter, Flucht und Exil von Bauhaus-Architekten und -Designern oder partizipative Designprojekte mit Geflüchteten. Während Fragen von Kunstproduktion und Theorie im Kontext globaler Migration mittlerweile mehrfach thematisiert worden sind, fehlt eine grundlegende und vergleichende wissenschaftliche Auseinandersetzung mit Design und Migration. Um die bislang äußerst parzellierten Diskussionen zusammenzuführen, schlagen wir einen Designbegriff vor, der alle formgebenden Ansätze zur Gestaltung von Dingen und Produkten – Mode und Architektur eingeschlossen – umfasst. Fragen ergeben sich einerseits nach den ästhetischen Auswirkungen, die durch Vernetzung, Überlagerung und Mischung der Formen entstehen, andererseits aber auch zu den politischen und sozialen Dimensionen von Gestaltung.

In drei sich thematisch überschneidenden Panels sollen Objekte und
Designpraxen im Kontext von Migration, Exil und Flucht diskutiert werden.

Design Dispersed – Formen der Migration fragt danach, wie sich  Erfahrungen von Migration, Flucht und Exil in den Dingen oder den  Entwürfen von Designer_innen spiegeln. Uns interessieren Artefakte, die diese sozialen und politischen Dimensionen erfahrbar machen. Wie sind jene Prozesse der Objektgeschichte eingeschrieben – und zu einem Teil der Produkterfahrung geworden? Wie verhält es sich mit einer gestalterischen Produktion von „Heimat“? Welche Rolle spielen in diesem Zusammenhang die Materialität der Dinge? Im Anschluss an den sogenannten global turn in den Designwissenschaften (vgl. Riello et al 2011) interessieren uns auch (historische) ‚Designs‘, in denen sich Transkulturalität als Doppelfigur von Kosmopolitismus und Lokalität niederschlägt. Hier soll den Bewegungsspuren von Objekten nachgegangen werden. Welche Formen konzeptueller, inhaltlicher und materieller Vermischung ergeben sich daraus?

Design Dispersed – Design von & für Migrant_innen will Design-Konzeptionen für Geflüchtete – vor allem im Bereich der Architektur und Sozialer Medien – kritisch diskutieren und historisieren. Angesichts von aktuell mehr als 65 Millionen Menschen auf der Flucht vor Krieg, Konflikten und Verfolgung entfaltet das Themenfeld Design und Gesellschaft (erneut) eine besondere Relevanz. Davon zeugen nicht nur eine Reihe unterschiedlicher Initiativen wie „What Design Can Do“ oder „Better Shelter Org“, sondern auch erste Ausstellungen (etwa MOMA 2017, Architecture of Displacement). Auf der anderen Seite kreieren auch Migrant_innen und Menschen auf der Flucht notwendige Dinge. Diese Erscheinungsformen einer Design- und Produktkultur von Migrant_innen in den Blick zu nehmen, ist ebenfalls Desiderat.

Design Dispersed – Designer_innen als kulturelle Agenten und Broker nimmt die Design-Akteure selbst in den Blick. Hier kann die Migration von Architekt_innen unter den Bedingungen des Exils („Migrant Bauhaus“), die Lokalisierung ihres Schaffens ebenso thematisiert werden wie rezente (temporäre) Re-Migrationen in Europa oder Amerika ausgebildeter Designer_innen und Architekt_innen in ihre Herkunftsländer (etwa Francis Kéré oder Kunlé Adeyemi). Auch die Diskussion einer Designpraxis als Möglichkeit identitärer Neuverordnung (etwa im Modedesign von Bobby Kolade oder Haider Ackermann) bieten Anknüpfungspunkte. Welche neuen Topographien und Netzwerke auf dem Feld des Designs und der Kooperationen ergeben sich aus diesen Ortswechseln? Historische Fallbeispiele, die etwa das Design des Sharoun-Schülers Chen-Kuen Lee im Berliner Kontext untersuchen, sind ebenfalls willkommen.

TAGUNGSPROGRAMM

Donnerstag, 09.02.2017
Kunstraum München, Holzstraße 10, Rgb. 80469 München

18.00–20.00: Coming Together & Führung (Teil 1) durch die Ausstellung "Flow of Forms / Forms of Flow. Designgeschichten zwischen Afrika und Europa"

Freitag, 10.02.2017
10.00–12.00: Führung (Teil 2) durch die Ausstellung "Flow of Forms /
Forms of Flow", Räume der Galerie Karin Wimmer, & Museum Pinakothek der Moderne / Architekturmuseum

12.00–13.30: Mittagspause / Wechsel zum Zentralinstitut für
Kunstgeschichte,
Katharina-von-Bora-Str. 10, 80333 München

13.30–14.00: Burcu Dogramaci & Kerstin Pinther (München):
Design Dispersed. Formen der Migration und Flucht: Einführung

DESIGN DISPERSED: FORMEN DER MIGRATION

14.00–14.45: Hanni Geiger (München): Heimat „to go“. Mode und Migration bei Hussein. Chalayan.

14.45–15.30: Alexandra Karentzos (Darmstadt): Mit dem Trainingsanzug auf der Straße. Zur Konstruktion des „Migrant Chic“.

15.30: Kaffeepause

16.00–16.45: Elke Gaukele (Wien): Mode und Migration. Entangled
Histories.

16.45–17.30: Cornelia Lund, Holger Lund (Ravensburg/Hamburg): Different by Design. Migration gegen den Strich gedacht.

17.30: Pause

18.00–20.00: ABENDVORTRAG, Zentralinstitut für Kunstgeschichte
Regina Bittner (Dessau): Zwischen Schiff und Haus. Vom leichten Gepäck des Bauhauses.

Samstag, 11.02.2017
Institut für Kunstgeschichte der LMU München, Zentnerstr. 31, 80798
München

DESIGN DISPERSED: DESIGN VON & FÜR MIGRANT_INNEN

09.30–10.15: Alexandra Weigand (München): Humanitär, sozial und
partizipativ – Eine neue Designkultur in Europa?

10.15–11.00: Birgit Mersmann (Universität Köln/Universität Basel):
Flucht-Design und migratorische Stadtentwicklung. Die
„Flüchtlingspavillons“ aus Westsahara und Deutschland auf der
Architekturbiennale Venedig 2016.

11.00–11.30 Kaffeepause

DESIGN DISPERSED: DESIGNER_INNEN ALS KULTURELLE AGENTEN & BROKER

11.30–12.15 Sophia Prinz (Zürich): Design von unten. Gestaltung als
Form der politischen Anerkennung

12.15–13.00 Miriam Oesterreich (Darmstadt):  Ethno-Fashion‘ im
modernistischen Mexiko – Transferprozesse in der Mode zwischen
nationaler Tradition, individueller Identität und transnationaler
Modernekonzeption.

Wechsel zum Museum 5 Kontinente, Maximiliansstr. 42, 80538 München

15.00: Führung (Teil 3) durch die Ausstellung "Flow of Forms / Forms of Flow", Museum 5 Kontinente,
Impulsvortrag von Kerstin Pinther zu Formafantasma

16.00 Ende der Tagung

Teilnahme: kostenlos.
Anmeldung bis zum 30. Januar 2017 unter
susann.kuehn@gmx.de

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Organizers: Burcu Dogramaci, Kerstin Pinther for AG Kunstproduktion und Kunsttheorie im Zeichen globaler Migration

The transdisciplinary conference "Design Dispersed" pursues the complex and heterogeneous connections between migration and design in the 20th and 21st centuries. Its spectrum ranges from Hussein Chalayan’s collection "Afterwords" (2000), which broaches the issues of migration and displacement through the transformation of furniture into mobile garments, to the Beirut-based Bokja Desig’s "Migration Series" (2013), Walé Oyéjidé’s fashion designs "After Migration" (2016), and Lucy Orta’s "Refuge Wear – Habitent" (1992-93). The conference will also include historical emergency shelter projects, the flight and exile of Bauhaus architects and designers, and participatory design projects with refugees. Although questions of art production and theory have meanwhile repeatedly been made a subject of discussion within the context of global migration, a fundamental and comparative historical engagement with design and migration is lacking. In order to bring these extremely partitioned discussions together, we propose a design concept that encompasses all formative approaches to the design of things and products – including design and architecture. On one hand, questions arise regarding the aesthetic effects that result from the networking, overlapping, and mixing of forms, as well as regarding the political and social dimensions of design on the other hand.

In three thematically intersecting panels, objects and design practices will be discussed within the context of migration, exile, and flight.

Design Dispersed – Forms of Migration asks how experiences of  migration, flight, and exile are mirrored in the things designers  create. We’re interested in artifacts that make these social and  political dimensions experienceable. How are these processes inscribed in an object’s history  – and how do they become part of the product experience?  How does the notion of "home" or "homeland" materialize in objects?  What kind of role does the materiality of the thing play in this context? Following the so-called global turn in design history (see Riello et al, 2011) we’re also interested in (historic) 'designs' in which transculturality is reflected as a double figure of cosmopolitanism and locality. The movements of objects will be traced here. Which forms of conceptual, textual, and material mixtures does this produce?

Design Dispersed – Design by and for Migrants wants to critically  historicize and discuss design concepts for refugees, particularly in  the field of architecture and social media. In light of the more than  65 million people fleeing from war, conflict, and persecution, the  topic of design and society has developed a particular (renewed)  relevance. This is not only apparent in a series of different  initiatives like "What Design Can Do" or "Better Shelter Org," but also in first exhibitions (like MOMA 2017, Architecture of Displacement). On the other hand, migrants and refugees also create indispensable things. Taking these manifestations of a design and product culture from migrants under consideration is also a desideratum.

Design Dispersed – Designers as Cultural Agents and Brokers takes the actors in design themselves under consideration. Here the migration of architects under the conditions of exile ("migrant Bauhaus") and the localization of their creations will be made a subject of discussion, alongside more recent (temporary) re-migrations of designers and architects educated in Europe or America to their home countries (like Francis Kéré or Kunlé Adeyemi). The discussion of a design practice as possibility of identitary re-enactment, as in the fashion design of Bobby Kolade or Haider Ackerman, offers points of reference. What kinds of new topographies and networks emerge in the field of design and collaboration from this change in location? Historical case studies, such as the design work of Scharoun’s student Chen-Kuen Lee in the Berlin context, are also welcome.

Tagung an der LMU München 9./10. Februar 2017

CfP: Design Dispersed. Formen der Migration und Flucht

Organisatorinnen: Burcu Dogramaci, Kerstin Pinther für die AG Kunstproduktion und Kunsttheorie im Zeichen globaler Migration

Die transdisziplinäre Tagung "Design Dispersed" will den komplexen und heterogenen Verbindungslinien zwischen Migration und Design im 20. und 21. Jahrhundert nachgehen. Deren Spannbreite reicht von Hussein Chalayans Kollektion "Afterwords" (2000), in der Migration und Displacements über die Transformation von Möbeln in mobile Kleidungsstücke thematisiert werden, oder der "Migration Series" (2013) des in Beirut ansässigen Bokja Design zu Walé Oyéjidés Modeentwürfen "After Migration" (2016) und zu Lucy Ortas "Refuge Wear – Habitent" (1992-93). Einzubeziehen sind aber auch historische Projekte des emergency shelter, Flucht und Exil von Bauhaus-Architekten und -Designern oder partizipative Designprojekte mit Geflüchteten. Während Fragen von Kunstproduktion und Theorie im Kontext globaler Migration mittlerweile mehrfach thematisiert worden sind, fehlt eine grundlegende und vergleichende wissenschaftliche Auseinandersetzung mit Design und Migration. Um die bislang äußerst parzellierten Diskussionen zusammenzuführen, schlagen wir einen Designbegriff vor, der alle formgebenden Ansätze zur Gestaltung von Dingen und Produkten – Mode und Architektur eingeschlossen – umfasst. Fragen ergeben sich einerseits nach den ästhetischen Auswirkungen, die durch Vernetzung, Überlagerung und Mischung der Formen entstehen, andererseits aber auch zu den politischen und sozialen Dimensionen von Gestaltung.
In drei sich thematisch überschneidenden Panels sollen Objekte und Designpraxen im Kontext von Migration, Exil und Flucht diskutiert werden.
Design Dispersed – Formen der Migration fragt danach, wie sich Erfahrungen von Migration, Flucht und Exil in den Dingen oder den Entwürfen von Designer_innen spiegeln. Uns interessieren Artefakte, die diese sozialen und politischen Dimensionen erfahrbar machen. Wie sind jene Prozesse der Objektgeschichte eingeschrieben – und zu einem Teil der Produkterfahrung geworden? Wie verhält es sich mit einer gestalterischen Produktion von "Heimat"? Welche Rolle spielt in diesem Zusammenhang die Materialität der Dinge? Im Anschluss an den sogenannten global turn in den Designwissenschaften (vgl. Riello et al 2011) interessieren uns auch (historische) 'Designs', in denen sich Transkulturalität als Doppelfigur von Kosmopolitismus und Lokalität niederschlägt. Hier soll den Bewegungsspuren von Objekten nachgegangen werden. Welche Formen konzeptueller, inhaltlicher und materieller Vermischung ergeben sich daraus?
Design Dispersed – Design von & für Migrant_innen will Design-Konzeptionen für Flüchtlinge – vor allem im Bereich der Architektur und Sozialer Medien – kritisch diskutieren und historisieren. Angesichts von aktuell mehr als 65 Millionen Menschen auf der Flucht vor Krieg, Konflikten und Verfolgung entfaltet das Themenfeld Design und Gesellschaft (erneut) eine besondere Relevanz. Davon zeugen nicht nur eine Reihe unterschiedlicher Initiativen wie "What Design Can Do" oder "Better Shelter Org", sondern auch erste Ausstellungen (etwa MOMA 2017, Architecture of Displacement). Auf der anderen Seite kreieren auch Migranten und Menschen auf der Flucht notwendige Dinge. Diese Erscheinungsformen einer Design- und Produktkultur von Migrant_innen in den Blick zu nehmen, ist ebenfalls Desiderat.
Design Dispersed – Designer_innen als kulturelle Agenten und Broker nimmt die Design-Akteure selbst in den Blick. Hier kann die Migration von Architekten unter den Bedingungen des Exils ("Migrant Bauhaus"), die Lokalisierung ihres Schaffens ebenso thematisiert werden wie rezente (temporäre) Re-Migrationen in Europa oder Amerika ausgebildeter Designer_innen und Architekt_innen in ihre Herkunftsländer (etwa Francis Kéré oder Kunlé Adeyemi). Auch die Diskussion einer Designpraxis als Möglichkeit identitärer Neuverordnung (etwa im Modedesign von Bobby Kolade oder Haider Ackermann) bieten Anknüpfungspunkte. Welche neuen Topographien und Netzwerke auf dem Feld des Designs und der Kooperationen ergeben sich aus diesen Ortswechseln? Historische Fallbeispiele, die etwa das Design des Sharoun-Schülers Chen-Kuen Lee im Berliner Kontext untersuchen, sind ebenfalls willkommen.

Kosten für Anreise und Unterkunft können leider nicht übernommen werden.
Wir erbitten Abstracts (200 Wörter) mit kurzem CV bis zum 30. November an Burcu Dogramaci (burcu.dogramaci@lmu.de) und Kerstin Pinther (kerstin.pinther@lmu.de).

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Design Dispersed: Forms of Migration and Flight
Conference at LMU Munich
February 9-10, 2017

Organizers: Burcu Dogramaci, Kerstin Pinther for AG Kunstproduktion und Kunsttheorie im Zeichen globaler Migration

The transdisciplinary conference "Design Dispersed" pursues the complex and heterogeneous connections between migration and design in the 20th and 21st centuries. Its spectrum ranges from Hussein Chalayan’s collection "Afterwords" (2000), which broaches the issues of migration and displacement through the transformation of furniture into mobile garments, to the Beirut-based Bokja Desig’s "Migration Series" (2013), Walé Oyéjidé’s fashion designs "After Migration" (2016), and Lucy Orta’s "Refuge Wear – Habitent" (1992-93). The conference will also include historical emergency shelter projects, the flight and exile of Bauhaus architects and designers, and participatory design projects with refugees. Although questions of art production and theory have meanwhile repeatedly been made a subject of discussion within the context of global migration, a fundamental and comparative historical engagement with design and migration is lacking. In order to bring these extremely partitioned discussions together, we propose a design concept that encompasses all formative approaches to the design of things and products – including design and architecture. On one hand, questions arise regarding the aesthetic effects that result from the networking, overlapping, and mixing of forms, as well as regarding the political and social dimensions of design on the other hand.

In three thematically intersecting panels, objects and design practices will be discussed within the context of migration, exile, and flight.

Design Dispersed – Forms of Migration asks how experiences of migration, flight, and exile are mirrored in the things designers create. We’re interested in artifacts that make these social and political dimensions experienceable. How are these processes inscribed in an object’s history – and how do they become part of the product experience? How does the notion of "home" or "homeland" materialize in objects? What kind of role does the materiality of the thing play in this context? Following the so-called global turn in design history (see Riello et al, 2011) we’re also interested in (historic) 'designs' in which transculturality is reflected as a double figure of cosmopolitanism and locality. The movements of objects will be traced here. Which forms of conceptual, textual, and material mixtures does this produce?

Design Dispersed – Design by and for Migrants wants to critically historicize and discuss design concepts for refugees, particularly in the field of architecture and social media. In light of the more than 65 million people fleeing from war, conflict, and persecution, the topic of design and society has developed a particular (renewed) relevance. This is not only apparent in a series of different initiatives like "What Design Can Do" or "Better Shelter Org," but also in first exhibitions (like MOMA 2017, Architecture of Displacement). On the other hand, migrants and refugees also create indispensable things. Taking these manifestations of a design and product culture from migrants under consideration is also a desideratum.

Design Dispersed – Designers as Cultural Agents and Brokers takes the actors in design themselves under consideration. Here the migration of architects under the conditions of exile ("migrant Bauhaus") and the localization of their creations will be made a subject of discussion, alongside more recent (temporary) re-migrations of designers and architects educated in Europe or America to their home countries (like Francis Kéré or Kunlé Adeyemi). The discussion of a design practice as possibility of identitary re-enactment, as in the fashion design of Bobby Kolade or Haider Ackerman, offers points of reference. What kinds of new topographies and networks emerge in the field of design and collaboration from this change in location? Historical case studies, such as the design work of Scharoun’s student Chen-Kuen Lee in the Berlin context, are also welcome.

Unfortunately participants have to pay travel costs and accommodation themselves. Please send abstracts (200 words) with a short CV by 30 November to Burcu Dogramaci (burcu.dogramaci@lmu.de) and Kerstin Pinther (kerstin.pinther@lmu.de).

Veranstaltungsankündigung, AG Migration

Workshop, Stuttgart, 16. – 18. Juni

Die im Ulmer Verein für Kunst- und Kulturwissenschaften e.V. gegründete Arbeitsgemeinschaft "Kunstproduktion und Kunsttheorie im Zeichen globaler Migration" trifft sich für eine interne Besprechung am Freitag, den 17. Juni 2016, in der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart. Die Besuche verschiedener Stuttgarter Institutionen (16./18. Juni), die sich schwerpunktmäßig mit transkulturellen Themen und neuen Integrationsprojekten befassen, sollen das Treffen inhaltlich abrunden: Inwieweit sehen sich Ausstellungshäuser, Stadt- und Völkerkundemuseen angesichts der aktuellen Entwicklungen der Migration in der Verantwortung? Welche Aufgaben, Ziele und Vorgehensweisen werden dabei von diesen Instituten verfolgt? Hier sucht die AG das Gespräch mit den jeweiligen Vertretern wie Elke aus dem Moore (ifa Galerie) und Inés de Castro (Lindenmuseum Stuttgart).

Am 17. Juni findet an der Kunstakademie ein Symposium mit dem Titel „Motion Discomfort. 2. Akt“ statt, das die aktuelle Frage nach der Rolle der künstlerischen Praxis im Verhältnis zum politischen und gesellschaftlichen Aktivismus von, mit und für Geflüchtete/n zum Anlass für eine Diskussion nimmt. Die von der Stuttgarter Künstlerin Ülkü Süngün organisierte Veranstaltung schließt an ein von Felix Ensslin (Theorieprofessor am Institut für Ästhetik und Kunstvermittlung, ABK Stuttgart) bereits ausgerichtetes Symposium „1. Akt – Koordinaten und Irritationen“ (22. März 2016) zu den Themen Flucht, Angst, Recht und Identität an. Sprecher/innen u.a. sind: Ulf Aminde (Berlin/Foundation Class), Julia Eckert (Leipzig/Interaction Leipzig e.v.), Rex Osa (Stuttgart/refugees4refugees), Christian Twickel (Hamburg/Schwabinggrad Ballett) und Can Gülcü (Wienwoche).

Cathrine Bublatzky, Burcu Dogramaci und Kerstin Pinther werden die AG zusammen in dieser Diskussion vertreten. Bei dieser Gelegenheit werden die AG und ihre Themen, Aufgaben und Ziele kurz vorgestellt.
Organisation: Buket Altinoba

Workshop, 14.-16. Januar 2016, Heidelberg

Border Crossings: Migration Arts and Arts of Migration

AG Art production and art theory in times of global migration, Ulmer Association for Art- and Cultural Sciences

Date: January 14 – 16, 2016
Venue: HCTS, 69115 Heidelberg, Vossstr. 2, Gb. 4400, Room 212

Organization: Cathrine Bublatzky, Christiane Brosius 

Border Crossings: Migration Arts and Arts of Migration 

PROGRAMME

Thursday: January 14, 2016

4-5 pm Prinzhornsammlung Dubuffets Liste (for early arriving guests, meeting at 3:45 at the main entrance, Voßstraße 2, 69115 Heidelberg)
 
6 pm   ‘Coming together’ Dinner at Pizzeria Osteria Zafferano
Poststraße 34 69115 Heidelberg


Friday: January 15, 2016

9:00 - 9:30 am
 
Welcome by Christiane Brosius and Cathrine Bublatzky
9:30 - 10:45 am   Monica Juneja A way to stay – migration and the dilemma of language.
 
10:45 - 11:15 am
 
Coffee & Tea
11:15 - 11:55 am
 
Birgit Mersmann (Köln University)
Migratory Aesthetics in Visual Translation. Practices of Displacement in Documentary Photography of Migration
 
11:55 - 12:35 pm  Franziska Koch (Heidelberg University)
Exploring the theoretical potential of “transnationality” and “translocality” in a case study on Noh Suntag’s photographic mediation of Korean border issues 
 
12:35 - 1:45 pm 
 
Lunch (HCTS)
 
1:45 - 2:25 pm Kerstin Meincke (Duisburg-Essen University)
Weltkunstgeschichte, postkolonial 
 
2:25 - 3:05 pm
 
Danijel Cubelic (Heidelberg University)
Contested Cartographies: Sharjah Biennial and the Politics of Artistic Knowledge Production in the UAE 
 
3:05 - 3:30 pm
 
Coffee & Tea
 
3:30 - 5:30 pm 
 
Internal Meeting
 
6:00 - 8:00 pm  Heidelberger Kunstverein ‘Es war einmal ein Land...’ Hauptstraße 97, 69117 Heidelberg
 
8:00 pm  Dinner at Café und Weinstube Burkardt
Untere Strasse 27, 69117 Heidelberg


Saturday: January 16, 2016

9:30 am Travel to Karlsruhe, meeting at Heidelberg main train station

11:00 am >DIE GLOBALE, ZKM
(1 hr guided tour; it will be in German with a focus on Global Games and Armin Linke; afterwards there will be the possibility of having lunch in the museum restaurant as well as an extended visit to the entire exhibition DIE GLOBALE)


General information:
Presentations can be held in German or English  

Call for Papers – Workshop 2016

Border Crossings: Migration Arts and Arts of Migration.

AG Kunstproduktion und Kunsttheorie im Zeichen globaler Migration des Ulmer Vereins für Kunst- und Kulturwissenschaften | Art production and art theory in times of global migration, Ulmer Association for Art- and Cultural Sciences

Date: January 14 – 16, 2016

Location: Heidelberg Center for Transcultural Studies, Heidelberg University

Organization: Cathrine Bublatzky, Christiane Brosius 

This workshop encourages a critical engagement with multiple forms of migration and the artistic practices these movements create, or even enforce. While the meaning of the phrase ‘migration’ changes in relation to the historical, geographical and social circumstances, various other phrases need to be taken into account in order to verify particular movements and existential experiences of those people who are affected by times of crises and insecurity. Lines between exodus, expulsion, exile, or labor migration need to be carefully drawn when research approaches any forms of artistic responses to human movement activities. Artists and their aesthetic ways to engage with times of crisis such as war, natural catastrophes, social or economic upheaval, and political instabilities play thereby various roles as their visual practices might help to express, document, or expose individual and collective experiences of human tragedy, resettlement, and trauma. Because the relation of art practices and contexts matter for investigating ‘migration’, this workshop wishes to foster an interdisciplinary discussion about specific ‘transitory’ spaces (e.g. in art institutions, studios or even border zones) and its agents.

In relation to the subject-related topic of social practices of border crossing and the role of artists and art within the larger context of migration studies, this workshop will critically address the methodological dimension in those studies. Applied to individual research topics, we want to reflect on the analytical usage and qualities of concepts such as ‘transculturality’, ‘transnationality’, ‘translocality’, ‘transaesthetics’ or ‘critical transregionality’ as they seem to facilitate further analytical fine-tuning. Even though each of them takes a different hermeneutic and methodological starting point with respect to the framing of ‘culture', ‘locality' or ‘aesthetics’, they align in considering ‘migration’ and ‘border crossing’ as significant emblem in the field of art and cultural studies.  

Please send your suggestions for short contributions (10 - 15 min) including title and content description (50-70 words, in English or in German) to Cathrine Bublatzky (Bublatzky@asia-europe.uni-heidelberg.de) and/or Christiane Brosius (brosius@asia-europe.uni-heidelberg.de) until Nov 15, 2015.

For further information concerning the excellence cluster, please go to: 'Asien und Europa im Globalen Kontext'.
 


CALL for Papers – Workshop 2016

Border Crossings: Migration Arts and Arts of Migration. Grenzüberschreitung: Migrationskunst und die Kunst der Migration

AG Kunstproduktion und Kunsttheorie im Zeichen globaler Migration des Ulmer Vereins für Kunst- und Kulturwissenschaften | Art production and art theory in times of global migration, Ulmer Association for Art- and Cultural Sciences

Datum:14. – 16. Januar 2015

Ort: Heidelberg Center for Transcultural Studies, Universität Heidelberg

Organisation: Cathrine Bublatzky, Christiane Brosius 

Dieser Workshop möchte zu einer kritischen Beschäftigung mit vielfältigen Formen der Migration und damit verbundenen künstlerischen Praktiken anregen, welche durch diese Bewegungen und Mobilitäten ausgelöst und sogar verstärkt werden. Während die Bedeutung des Begriffs ‚Migration‘ sich in Bezug zu den historischen, geographischen und sozialen Umständen wandelt, müssen eine Vielzahl weiterer Begrifflichkeiten untersucht werden, um spezielle Bewegungen und existentielle Erfahrungen jener Menschen zu erfassen, die Krisenzeiten und Unsicherheit ausgesetzt sind. Die Trennungslinien zwischen Exodus, Ausweisung, Exil oder Arbeitsmigration sind dabei sorgfältig zu ziehen, vor allem wenn es um die Untersuchung jeglicher Form künstlerischer Reaktion auf die Mobilitäten von Menschen geht. Künstler und ihre ästhetischen Ausdrucksformen in der Auseinandersetzung mit Krisen wie Krieg, Naturkatastrophen, sozialen oder wirtschaftlichen Umbrüchen sowie politischer Instabilitäten spielen hierbei unterschiedliche Rollen - vor allem wenn ihre visuellen Praktiken dazu beitragen, individuelle wie kollektive Erfahrungen menschlicher Tragödien, Wiedereingliederung und Traumata zum Ausdruck zu bringen oder zu dokumentieren. Da die Beziehung künstlerischer Praktiken zu ihrem jeweiligen Kontext für die Erforschung von ‚Migration‘ wichtig ist, möchten wir mit diesem Workshop eine interdisziplinäre Diskussion über spezifische ‚transitorische‘ Räume und ihre Agenten fördern (z.B. in Einrichtungen für Kunst, Studios oder sogar Grenzgebieten).

In Bezug auf dieses subjektbezogene Thema sozialer Praktiken der Grenzüberschreitung und der Rolle der Künstler und der Kunst innerhalb des größeren Umfeldes der Migrationsstudien wird sich der Workshop kritisch mit den methodologischen Dimensionen dieser Studien auseinandersetzen. Angewandt auf individuelle Forschungsthemen möchten wir den analytischen Gebrauch und die Qualität von Begriffen wie ‚Transkulturalität, Transnationalität, Translokalität, Trans-Ästhetik‚ oder kritische Transregionalität beleuchten, da sie ein weiterführendes analytisches Fine-tuning zu erleichtern scheinen. Auch wenn jeder einzelne von ihnen eine eigene hermeneutische und methodologische Ausgangsposition in Bezug auf den Rahmen von Kultur, Lokalität oder Ästhetik einnimmt, so sehen sie doch alle ‚Migration‘ und ‚Grenzüberschreitung‘ als ein wesentliches Emblem im Bereich der Kunst und der Kulturforschung an.

Bitte schicken Sie Ihre Vorschläge für Kurzbeiträge (10 – 15 Min) unter Angabe des Titels und einer Beschreibung des Inhaltes (50 – 70 Wörter, in Englisch oder Deutsch) bis 15. November an Cathrine Bublatzky (bublatzky@asia-europe.uni-heidelberg.de) und/oder Christiane Brosius (brosius@asia-europe.uni-heidelberg.de).


Die AG KUNSTPRODUKTION UND KUNSTTHEORIE IM ZEICHEN GLOBALER MIGRATION ist seit 2014 Kooperationspartner des Lehrstuhls für Visuelle und Medien Ethnologie am Exzellenz-Clusters 'Asien und Europa im Globalen Kontext', Universität Heidelberg. 
 
Weitere Informationen zum Lehrstuhl für Visuelle und Medien Ethnologie finden Sie unter: www.asia-europe.uni-heidelberg.de/en/vma sowie zum Cluster unter  'Asien und Europa im Globalen Kontext’.

Workshop 25.-27.6.2015

"Transnationale Räume der Migration: Kunsttheorie und künstlerische Praxis "

WORKSHOP  // UNIVERSITÄT DUISBURG-ESSEN
INSTITUT FÜR KUNST & KUNSTWISSENSCHAFT

www.kunstwissenschaft-essen.de // www.uni-due.de/kunst-design
Organisation: Prof. Dr. Gabriele Genge, Dr. Angela Stercken

Inwiefern sind kunsttheoretische Ansätze und Methoden, künstlerische Konzepte und Praktiken in Prozesse der Mobilisierung nationalstaatlicher Grenzen involviert? Inwiefern erzeugen bzw. befestigen sie transnationale Raumgebilde? Anlass und Ausgangspunkt für diese Fragestellungen, denen wir uns im Workshop der AG in Essen widmen wollen, liefern historische Konstellationen und aktuelle Dynamiken, in denen Migrationskulturen mit modernen nationalstaatlich geprägte Narrativen der Kunst kollidieren, diese überschreiten, oder auch neu konstituieren.

Zwar muss der westlich geprägte Nationalstaat als ein auch durch die kunstwissenschaftliche Forschung der 1970er-90er Jahre hinreichend dekonstruiertes und überdies heute im Zeitalter globaler Migration und Transferprozesse eigentlich überholtes Gebilde erscheinen. Doch deutet sich insbesondere in aktuellen Positionen einer "transnational" ausgerichteten Geschichtswissenschaft an, dass Vorstellungen historischer Prozesse jenseits nationaler Grenzverläufe doch auch immer die "Nation" als Ordnungskategorie mit einbeziehen müssen, um deren imaginäre politische und kulturelle Wirkmacht fassen und beschreiben zu können.

Bis heute bestimmen nationale Kategorien implizit auch die Nomenklaturen der Kunstwissenschaft und damit in weiten Teilen auch deren Verständnis von Migration. Denn während die seit dem 19. Jahrhundert etablierten säkularen, nationalstaatlichen Institutionen, Museen, Akademien und Universitäten das Feld der Kunst definierten und eingrenzten, etablierten sich zeitgleich in der Kunstwissenschaft ergänzende kulturanthroplogische und kunstgeographische Praktiken und Methoden, die Wanderungen von "Völkern", Artefakten, deren Ethnisierung und transitorische Verräumlichung in kulturellen bzw. zivilisatorischen Einheiten bzw. Kunstgeographien fassten. Beide Prozesse bedingen einander und entwarfen eine ästhetische Ideologie der Moderne, deren universaler Geltungsanspruch nun in Frage steht.

Die Untersuchung transnationaler Raumkonstrukte ermöglicht es dahingegen, relationale Konzepte der Kunstwissenschaft zu entwickeln, die ihren Ausgangspunkt in einer globalen Konstruktion von Gegenwart und ihren sozialen und kulturellen Räumen, Spannungen und Verwerfungen nehmen, und damit auch historische Prozesse in ihren (trans-)kulturellen Bezügen rückblickend zu beschreiben. Die nationalstaatlichen Narrative der Kunst erweisen sich dann, so u.a. am Beispiel der modernen Kolonialimperien, nicht allein als fiktionale Gebilde. Sondern es wird deren Verhandlung durch nicht-staatliche Akteure, Theoretiker und Künstler sichtbar, deren territoriale Bindung und kulturelle Verortung quer zu den gewaltsamen Grenzziehungen des Nationalen standen und stehen, und die sich zum Teil erst durch Migration und Dekolonisation politisch und kulturell emanzipierten. Es lässt sich dann auch verfolgen, inwieweit postkoloniale staatliche Kollektive erneut ethnisierte Kulturvorgaben aufgriffen, im Zuge von Re-Nationalisierung und Re-Traditionalisierung veränderten, um daraus Modelle neuer nationaler Kunstgeschichten und ihrer Institutionen werden zu lassen.

Im Essener Workshop sollen jene Verhandlungen von Ethnisierung und nationaler Grenzziehung in der Kunstwissenschaft – am Beispiel imperialer bzw. transnationaler Raumkonstrukte (u.a. Black Atlantic, Mittelmeer, Naher Osten, Osmanisches Reich etc.) – zur Sprache kommen. So wäre die Rolle (trans-) nationaler Akteure, Medienbegriffe und deren Historisierung zu diskutieren: Wo lieferte Ethnisierung die Voraussetzung für neue nationale Kunstgeographien mit Relevanz für das Fach Kunstwissenschaft? In welchen künstlerischen Praktiken/ Archivierungsmodellen und Medien wurden sie verzeitlicht/ historisiert? Wo kam/ kommt es zu Auseinandersetzungen um kunsttheoretische bzw. religiöse Verortungen von Artefakten und ihre mediale Aufwertung/ Übersetzung in nationalen Kunstsystemen? Welchen Einfluss hat globale Migration auf gegenwärtige Ansätze zu einer Engführung transkultureller kunstwissenschaftlicher Begriffe und Konzepte, die jenseits von Ethnisierung und Nationalstaatlichkeit zu fassen sind?

PROGRAMM

Donnerstag, 25.6.2015

_UNIVERSITÄT DUISBURG-ESSEN, CAMPUS ESSEN,
Vortragssaal UB


16 Uhr – Vortrag im Rahmen der Ringvorlesung "Grenzüberschreitung und Exzess" 
(Diversity-Forschung der Universität Duisburg-Essen):
Trash, Exzess, Historie. Ein Blick auf Quentin Tarantinos Django Unchained
(Prof. Dr. Elisabeth Schäfer-Wünsche / Universität Bonn)
 

Freitag,
26.6.2015

_WORKSHOP

_ZECHE ZOLLVEREIN / SANAA-GEBÄUDE
(Gelsenkirchener Straße 209, 45309 Essen)

9:00 Uhr
– Begrüßung & Einführung
(Prof. Dr. Gabriele Genge, Dr. Angela Stercken)

9.30 Uhr – Vortrag
Transnationalisierung und Transkulturalität im 21. Jahrhundert
(Prof. Dr. Ludger Pries / Ruhr-Universität Bochum)

11:15 – Impulsreferat
Weben und Verweben. Zur Ästhetik der Migration in Angela Melitopoulos’ Video „Passing DRAMA“
(Prof. Dr. Alexandra Karentzos / TU Darmstadt)

12:00 – Impulsreferat
Die ‚(Un)möglichkeit’ einer geo-ästhetischen Kunstdefinition am Beispiel Indien/ Südasien und der Ausstellung Indian Highway
(Cathrine Bublatzky M.A. / Universität Heidelberg)

12:45 – Impulsreferat
Artists in Transit - zur Konstruktion nationaler und transnationaler Räume bei Künstlerreisen und Residencies
(Dr. Alma-Elisa Kittner / Universität Duisburg-Essen)

_MUSEUM FOLKWANG
(Bismarckstraße, 45128 Essen)

17:30 Uhr – Kuratoren-Lecture/ Abendgespräch
Der Dt. Pavillon auf der Biennale Venedig 2015

(Florian Ebner / Museum Folkwang
Kerstin Meincke / Museum Folkwang, Universität Duisburg-Essen)

18:30 – Museums-/ Ausstellungsrundgang
(Aktuelle Ausstellungen: "Conflict, Time, Photography" & "China 8: "Works in Progress – Fotografie aus China 2015")
 

Samstag,
27.6.2015

EXKURSION (Mühlheim/ Duisburg)

"CHINA 8 – zeitgenössische Kunst aus China an Rhein und Ruhr"

_MÜHLHEIM, Kunstmuseum
(Synagogenplatz 1, ca. 10 min v. Hbf)
" Modelle der Irritation – Installation und Skulptur"
(Treffpunkt Museum: 11 Uhr)

ca. 12:30 – Gemeinsame Fahrt: Mühlheim-Duisburg

_DUISBURG, Lehmbruck Museum
(Friedrich-Wilhelm-Straße 40, ca. 5 min zu Fuß vom Hbf)
"Neue Figuration – Erzählende Skulptur"


Die AG-Mitglieder trafen sich am 20. Februar 2014 zu einem Workshop zum Thema „Struggle for Agency: Akteurinnen und Akteure der Migration im Feld der Kunst“ im Lichtenberghaus der TU Darmstadt. Organisiert wurde der Workshop von Prof. Dr. Alexandra Karentzos.


Workshop mit Abendvortrag in der Jacobs University Bremen und der Hochschule für Künste Bremen

Kunsttopographien globaler Migration: Orte und Räume transitorischer Kunsterfahrung

Im sozialen System und kulturellen Feld der Kunstproduktion, Kunstrezeption und Kunstvermittlung machen sich zunehmend die Auswirkungen globalgesellschaftlicher Migrationsprozesse bemerkbar. Sowohl die Akteure als auch die Orte der Kunst sind durch globale Menschen-, Bilder-, Kapital- und Ideenströme, die sogenannten global flows, in Bewegung geraten. Neben der gewachsenen Mobilität von KünstlerInnen, KuratorInnen und KunstagentInnen sind es vor allem die medialen und institutionellen Orte der Kunstproduktion, Kunst(re)präsentation und Kunstvermittlung, an denen die neuen Migrationskontexte der Kunst aufscheinen und verhandelt werden. Eine um die globale Migrationsperspektive erweiterte Kunstwissenschaft muss daher die veränderten Bedingungen und wechselnden Bedeutungen von Kunsträumen und Kunstinstitutionen als Transitorten kultureller Übersetzungs- und sozialer Aushandlungspraxis in den Blick rücken. 

Im Mittelpunkt des Workshops stehen die bewegten Topographien eines globalisierten Kunstsystems. Da Migration primär als Erfahrung eines Ortswechsels definiert ist, sei es als Erfahrung des Heimatverlustes, der Ortsverschiebung und Deplatzierung, der Grenze (oder auch Grenzenlosigkeit), des Durchwanderns und Durchkreuzens von Räumen, oder aber der Multilokalität, gilt es, De-, Re- und Translokalisierungsprozesse an jenen neuralgischen Kunstorten aufzuspüren, an denen sich Migrationsbewegungen konzentrisch verdichten. Erst in der Ortsreferenz, d.h. in der Situierung, Bündelung und punktuellen Immobilisierung von Wanderbewegungen generieren Migrationsphänomene im Feld der Kunst Bedeutung. Im Fokus der Untersuchung stehen sowohl institutionalisierte Orte der Kunstproduktion (Kunstschule, Kunstakademie, Künstlerresidenz, Produktionsstätte) und Kunstausstellung (Museum, Galerie, Biennale/Manifesta, Kunstmesse) als auch soziale Orte und mediale Räume der Migrationskunst wie etwa Großstädte, Transitorte, Grenzorte, Unorte, imaginäre Orte und virtuelle Räume. Untersucht wird, wie Kunstorte und -institutionen die inhaltlich-thematische (Re-)Präsentation und Interpretation globaler Migrationserfahrungen prägen, wie aber zugleich ihre Strukturen und Raumkonzepte von den bewegten Topographien affiziert und transformiert werden. 

PROGRAMM

Donnerstag, 27.11.2014

20:00 Uhr

IMMIGRATION OFFICE, Am Dobben 36, Bremen
Exhibition 03 - In Times of Conflict 
http://immigrationoffice.de/


Freitag, 28.11.2014

Jacobs University Bremen, Campus Ring 1, 28759 Bremen, IRC Building, Conference Room

Workshop mit Anmeldung

10.00 Uhr Begrüßung und Einführung: Birgit Mersmann & Mona Schieren
 
  Moderation: Mona Schieren
 
10.30 Uhr Die transatlantische Schiffspassage ins Exil, 1914–1945.
Von der heterotopischen Erfahrung zur ästhetischen Reflexion

Martin Schieder, Universität Leipzig
 
  Moderation: Melanie Ulz
 
11.15 Uhr Der Topos der südeuropäischen Außengrenzen in zeitgenössischen künstlerischen Arbeiten
Katrin Hunsicker, Universität Oldenburg
 
12.00 Uhr Places of Gastarbeiter. Stadt, Migration und Fotografie der 1970er und 1980er Jahre
Burcu Dogramaci, Universität München
 
  Moderation: Birgit Mersmann
 
14.00 Uhr Zur Präsentation von außereuropäischer Kunst im Übersee-Museum Bremen
Wiebke Ahrndt, Überseemuseum Bremen
 
15:00 Uhr Ausstellungen werden zu Nomaden zwischen Orten: 
Migration als Thema und Mobilitätsmodell kuratorischer Praxis in globalen Sphären
Stefanie Zobel, Universität Köln
 
  Moderation Burcu Dogramaci
 
16:15 Uhr Kunstfestivals und reisende Bilder in der „Neuen Welt“: Überlegungen zu Sarat Maharajs Konstrukt des Überschusses des Globalen und dem global flow von Nalini Malanis „In search of vanished blood“ und Shilpa Guptas Neonskulpturen
Sarah Khan
 
17:00 Uhr Moving images – the politicization of an artistic video in context of the travelling exhibition “Indian Highway”
Cathrine Bublatzky, Universität Heidelberg


Freitag, 28.11.2014

Hochschule für Künste, Am Speicher XI, Nr. 8 Auditorium

Öffentliche Abendvorträge

19:00 Uhr Begrüßung Herbert Grüner, Rektor der Hochschule für Künste Bremen
 
  Moderation: Mona Schieren
 
  Umsetzen/Übersetzen. Ein Bericht über Produktionsstätten internationaler Kunst in Asien
Ingo Vetter, Hochschule für Künste Bremen
 
  Moderation: Birgit Mersmann
 
20:00 Uhr Über Archipelisierung und Transkulturalität
Cédric Duchêne-Lacroix, Universität Basel
 
  Diskussion
 
  Im Anschluss: Empfang und Essen zum Thema aufgetischt von dilettantin produktionsbüro


Eine Veranstaltung des Instituts für Kunst- und Musikwissenschaft der Hochschule für Künste Bremen und der Jacobs University.


Call for Papers für den Workshop

Kunsttopographien globaler Migration: Orte und Räume transitorischer Kunsterfahrung

Termin: Freitag, 28.11.2014, 10-21 Uhr

Ort: Jacobs University Bremen, Hochschule für Künste Bremen

Veranstalter: AG Kunstproduktion und Kunsttheorie im Zeichen globaler Migration des Ulmer Vereins für Kunst- und Kulturwissenschaften 

OrganisatorInnen: Birgit Mersmann, Mona Schieren

Im sozialen System und kulturellen Feld der Kunstproduktion, Kunstrezeption und Kunstvermittlung machen sich zunehmend die Auswirkungen globalgesellschaftlicher Migrationsprozesse bemerkbar. Sowohl die Akteure als auch die Orte der Kunst sind durch globale Menschen-, Bilder-, Kapital- und Ideenströme, die sogenannten global flows, in Bewegung geraten. Neben der gewachsenen Mobilität von KünstlerInnen, KuratorInnen und KunstagentInnen sind es vor allem die medialen und institutionellen Orte der Kunstproduktion, Kunst(re)präsentation und Kunstvermittlung, an denen die neuen Migrationskontexte der Kunst aufscheinen und verhandelt werden. Eine um die globale Migrationsperspektive erweiterte Kunstwissenschaft muss daher die veränderten Bedingungen und wechselnden Bedeutungen von Kunsträumen und Kunstinstitutionen als Transitorten kultureller Übersetzungs- und sozialer Aushandlungspraxis in den Blick rücken.

Im Mittelpunkt des Workshops stehen die bewegten Topographien eines globalisierten Kunstsystems. Da Migration primär als Erfahrung eines Ortswechsels definiert ist, sei es als Erfahrung des Heimatverlustes, der Ortsverschiebung und Deplatzierung, der Grenze (oder auch Grenzenlosigkeit), des Durchwanderns und Durchkreuzens von Räumen, oder aber der Multilokalität, gilt es, De-, Re- und Translokalisierungsprozesse an jenen neuralgischen Kunstorten aufzuspüren, an denen sich Migrationsbewegungen konzentrisch verdichten. Erst in der Ortsreferenz, d.h. in der Situierung, Bündelung und punktuellen Immobilisierung von Wanderbewegungen generieren Migrationsphänomene im Feld der Kunst Bedeutung. Im Fokus der Untersuchung stehen sowohl institutionalisierte Orte der Kunstproduktion (Kunstschule, Kunstakademie, Künstlerresidenz, Produktionsstätte) und Kunstausstellung (Museum, Galerie, Biennale/Manifesta, Kunstmesse) als auch soziale Orte und mediale Räume der Migrationskunst wie etwa Großstädte, Transitorte, Grenzorte, Unorte, imaginäre Orte und virtuelle Räume. Untersucht wird, wie Kunstorte und -institutionen die inhaltlich-thematische (Re-)Präsentation und Interpretation globaler Migrationserfahrungen prägen, wie aber zugleich ihre Strukturen und Raumkonzepte von den bewegten Topographien affiziert und transformiert werden.

 

Themenvorschläge für Impulsreferate (15-20 min) mit Titel und inhaltlicher Kurzbeschreibung von 50-100 Worten bitte bis zum 31. August 2014 an Birgit Mersmann (b.mersmann@jacobs-university.de) oder/und Mona Schieren (m.schieren@hfk-bremen.de). Es ist geplant, ausgewählte Beiträge des Workshops im Heft 3.2015 der „kritischen berichte“ (Herausgeberinnen: Burcu Dogramaci/Birgit Mersmann/Anna Minta/Mona Schieren) zu veröffentlichen. Die ausgearbeiteten Beiträge sollen bis Ende Januar vorliegen.


Tagung am 29.-30. Juni 2012

Migration und künstlerische Produktion

Institut für Kunstgeschichte/Center for Advanced Studies/DÜKKAN Kulturplanungsbüro, Ltg.: Prof. Dr. Burcu Dogramaci, Senior Reseacher in Residence am CAS

  • Zeit: Freitag, 29./Samstag, 30. Juni 2012
  • Ort: Center for Advanced Studies LMU, Seestraße 13

Migrationen und Mobilität prägten die Kultur- und Kunstgeschichte des 20. Jahrhunderts bis in die Gegenwart, wobei politische Krisen, Diktaturen, Kriege, wirtschaftliche Not wie auch (künstlerische) Neugier Auslöser für diese erzwungenen wie freiwilligen Wanderungen waren. Diese Bewegungen über Ländergrenzen hinweg hatten und haben großen Einfluss auf die Genese von Kunst, führten zu Übertragungen wie Wechselwirkungen, aber auch zu Reaktionen der Abgrenzung.

Innerhalb des Forschungsprojekts „Exil, Migration und Transfer“ untersucht eine Arbeitsgruppe am Center for Advanced Studies der Ludwig-Maximilians-Universität München Modelle der Übertragung, der Aneignung und Ablehnung, der Reflexion kultureller Differenzen und die Möglichkeiten künstlerischer Produktivität durch Wanderung. Ziel dieser Forschungen ist es, Instrumente zur Erschließung zeit- und länderübergreifender künstlerischer Übertragungsprozesse zu entwickeln und die systematische Untersuchung des Kulturtransfers, interkultureller Transmissionsprozesse, von künstlerischem Exil und Migration zu ermöglichen.

Zum Abschluss des einjährigen Forschungsprojekts findet eine interdisziplinäre Tagung statt, die aus Perspektive verschiedener Fächer wie Kunstgeschichte, Literatur-, Film- und Theaterwissenschaft, Soziologie und Kulturwissenschaft Position zu „Migration und künstlerischer Produktion“ bezieht. Die Vorträge werden erörtern, welchen Einfluss Wanderungsbewegungen auf Kunstproduzenten und künstlerische Praktiken haben. In welchem Verhältnis stehen (Stadt)raum und Migration? Kann Migration ein Movens für Künstler sein, sie thematisch oder konzeptuell in ihren Arbeiten beeinflussen? Wie lassen sich Übertragungsprozesse untersuchen? Welches andere Verständnis von (Kunst)Geschichte kann die Akzeptanz horizontaler Verflechtungen zwischen Ländern und Kulturen schaffen? Wie wird in verschiedenen Fachkulturen über Migration und Kunst/Kultur reflektiert? Lassen sich gemeinsame Ansätze herausarbeiten? Wie kann Migration kuratorisch inszeniert und reflektiert werden?

Programm

Freitag, 29.06.2012

09.30 Uhr: Burcu Dogramaci (München)
Begrüßung und Einführung

10.00 Uhr: Sabine Hess (Göttingen)
Die beharrliche Kraft der Migration - eine kulturwissenschaftliche Kritik dominanter Wissensproduktionen zu Migration

10.45 Uhr: Alexandra Karentzos (Darmstadt)
Nicht-Sichtbarkeit. Bildermacht und Migration

11.30 Uhr: Mischa Kuball (Düsseldorf)
NEW POTT - Idee zu einer neuen Kartographie des Reviers (2008-2012)

12.30 Uhr - MITTAGSPAUSE

14.00 Uhr: Deniz Göktürk (Berkeley)
Archive in Bewegung: Dokumentarische Blicke, Mobile Betrachter

14.45 Uhr: Mark Terkessidis (Berlin)
Unklassifizierbare Erfahrungen. Über Bewegung, Bruch, Leid, Elan, Erneuerung und andere dramatische Vorgänge im Leben und Arbeiten von David Medalla, Nam-June Paik und Panayiotis Vassilakis

15.30 Uhr: Georg Schöllhammer (Wien)
Why should we call it Former West?

16.30 Uhr - KAFFEEPAUSE

KULTURPROGRAMM am Freitag, 29. Juni:

18.00 Uhr:
Medley - Performance Installation von Nezaket Ekici

Ort: Pinakothek der Moderne, Barer Straße 40, 80333 München Eintritt frei!

Samstag, 30.06.2012

09:45 Uhr: Rückblick / Vorschau

10.00 Uhr: Burcu Dogramaci (München)
Migration als Forschungsfeld der Kunstgeschichte

10.45 Uhr: Elke Frietsch (Zürich)
Zwischen Nablus und Tel Aviv. Dekonstruktion von Körper- und Landesgrenzen in dem Spielfilm „The Bubble" (Eytan Fox, Israel 2006)

11.30 Uhr: Erol Yildiz (Klagenfurt)
Migration als urbane Ressource. Vom öffentlichen Diskurs zur Alltagspraxis

12.30 Uhr - MITTAGSPAUSE

14.00 Uhr: Mona Schieren (Bremen)
Zur Migration von Denkfiguren und transkulturellen Aneignungsprozessen im Werk von Agnes Martin

14.45 Uhr: Christopher Balme (München)
Figurationen der Migration in Ariane Mnouchkines „Le dernier caravansérail“

15.45 Uhr - KAFFEEPAUSE

16.15 Uhr: Ortrud Gutjahr (Hamburg)
„Theater ist mein Leben“. Dramaturgien migrantischer Rollenperformanz in Emine Sevgi Özdamars „Die Brücke vom goldenen Horn“

17.00 Uhr: Nanna Heidenreich (Braunschweig/Berlin)
Die Kunst des Aktivismus. Kanak Attak revisited

18.00 Uhr - UMTRUNK

KULTURPROGRAMM am Samstag, 30. Juni:

20.00 Uhr: Lesung von Feridun Zaimoğlu.
Der Autor liest Liebesgeschichten aus seinem Werk.

Ort: Werkraum Münchner Kammerspiele, Hildegardstraße 1, 80539 München

Eintitt: EUR 9,-/ ermäßigt EUR 5,- Karten unter www.muenchner-kammerspiele.de oder an der Theaterkasse Maximilianstraße 28, Tel. 089-233 966 00

Anmeldung für die Tagung: katrin.nahidi@kunstgeschichte.uni-muenchen.de,
Tel.+49 (0)89/ 21802464, EINTRITT IST FREI

Organisation der Tagung: Prof. Dr. Burcu Dogramaci (Institut für Kunstgeschichte der LMU) mit Zuzana Bilova, Hanni Geiger, Marta Koscielniak, Katrin Nahidi

Veranstalter des Kulturprogrammes: DÜKKAN Kulturplanungsbüro e.V. in Kooperation mit der Pinakothek der Moderne, den Münchner Kammerspielen, der Landeshauptstadt München und dem Institut für Kunstgeschichte der LMU


Kontakt
Postanschrift

Ulmer Verein - Verband für Kunst- und Kulturwissenschaften e.V.

c/o Institut für Kunst- und Bildgeschichte
Humboldt-Universität zu Berlin
Unter den Linden 6
10099 Berlin