Geschichte des KSK

Erste Organisationsformen deutscher Kunsthistoriker

Der KSK ist in der Gründerzeit aus dem UV hervorgegangen. Ziel war die bildungs- und wissenschaftspolitische Einbeziehung der Studierenden in die Diskussion um brisante Themen der Reform des Faches Kunstgeschichte. Die folgende Skizze dieser dramatischen Entwicklung beginnt mit der Gründung des ersten Berufsverbands der Kunsthistoriker nach dem Zweiten Weltkrieg), der sich fortan als Vertretung aller deutschen Kunsthistoriker versteht. Anfangs finden relativ unregelmäßig, später im Abstand von zwei Jahren, Tagungen statt (> Deutscher Kunsthistorikertag). Als publizistisches Mitteilungsorgan gilt die monatlich erscheinende Kunstchronik, in der Forschungsthemen in Beiträgen gesammelt, vorläufige bzw. faktische Tagungsprogramme wiedergegeben und Mitteilungen aus den Kunstwissenschaftlichen Instituten Deutschlands (z.B. Personalveränderungen, Dissertationen etc.) bekanntgemacht werden. Der VDK hat eine Satzung, sein Sitz ist das Zentralinstitut der Kunstgeschichte in München (ZI).

Erste Reformbestrebungen im Studienfach Kunstgeschichte

Nicht zuletzt seit dem 10. Kunsthistorikertag im August ‘66 in Münster, der als einer der Ausgangspunkte für Diskussionen zu Reformbestrebungen im eigenen Fach gelten kann, tritt der sich verändernde Kunstbegriff mehr in den Vordergrund. 1968 verstärkt sich der allgemeine Studentenprotest in den bundesdeutschen Hochschulstädten. (> Hochschulstreiks ‘68, Frankfurter Schule, Hochschulrahmengesetzgebung etc.)

Das Fehlschlagen der Hochschulreformdebatte

Im Oktober 1968 findet in Ulm der 11. Deutsche Kunsthistorikertag statt. Dabei stellt der sog. "Mittelbau" (Assistenten, Volontäre, Wissenschaftl. Mitarbeiter bzw. Hilfskräfte etc.) sowie die Studierendenschaft fest, daß das konkrete Interesse an der Behandlung von Hochschulreformthemen durch die Professorenschaft des VDK nicht repräsentiert wird. Anträge und Vorstellungen, den Wissenschaftsbegriff und die Studienreform auf dem Deutschen Kunsthistorikertag zu behandeln werden abgelehnt. Die Studenten und der an einer Hochschule nicht fest angestellte Mittelbau konstatieren ihre Isolierung in den einzelnen Instituten, sowie einen Mangel an Kommunikation untereinander, so daß sie bei den als notwendig erachteten Veränderungen im Fach ihre Wünsche und Ideen nicht vertreten konnten.

Gründung der Kunsthistorischen Studentenkonferenz (KSK)

Da die als direkte Reaktion auf den 11. Deutschen Kunsthistorikertag in Ulm ‘68 vollzogenene Gründung des Ulmer Vereins (UV), einem ursprünglich nur als Interessenvertretung des Mittelbaus zu verstehender Verein, die studentische Mitarbeit nicht vorsieht, gründen die Studierenden im Januar 1969 in Bonn parallel zur Tagung des Ulmer Vereins die Kunsthistorische Studentenkonferenz (KSK), als deren Ziele vorrangig der Informationsaustausch, das Vorantreiben der Studienreform und die Vertretung der studentischen Interessen nach außen vereinbart wurde.

In der Folgezeit war die KSK Treffpunkt vornehmlich theoretischer Diskussionen um Fachinhalte und –formen, bei der eine Revision der Inhalte und Methoden der Kunstgeschichte im Besonderen gefordert wurde. Um durch eine kontinuierliche Zusammenarbeit auch die Erarbeitung kunstwissenschaftlichen Alternativen zu ermöglichen, wurden ab 1971 sogenannte "Aktivgruppen" gegründet, die ihre wissenschaftliche Arbeit als einen Teil der Bemühungen um die Demokratisierung aller gesellschaftlichen Bereiche mit der Perspektive einer sozialistischen Umwandlung verstanden.

Ab 1971 gab es gemeinsame Treffen von KSK und UV; auch konnten die Studierenden jetzt Mitglied im UV werden. Die Gemeinsamkeiten zwischen UV und KSK bestanden hauptsächlich in der Erarbeitung einer Alternative zu den Strukturen und Ausprägungen an den von konservativen Professoren autokratisch beherrschten Instituten sowie des VDK mit dessen Kunsthistorikertag.

Ab 1972 kam es innerhalb der KSK zu heftigen Selbstverständnisdiskussionen und Kritik an der Organisationsform der KSK. Als Folge wurde auf der KSK 1972 in Frankfurt/M. der Eintritt in die Vereinigten Deutschen Studentenschaften (VDS) beschlossen, von denen man sich neben der Finanzierung größere Wirkungsmöglichkeiten, neue Impulse und eine festere Organisationsstruktur erhoffte. Vieles von dem Erhofften blieb jedoch schon bald auf der Strecke, statt KSK nannte man sich nun "Sektion Kunstwissenschaft der VDS-Fachkonferenz Kunst und Medien". Die inhaltliche Arbeit litt stark unter der theoretischen Überfrachtung der Tagungen, die wiederum ihrerseits die zumeist unvorbereitet angereisten Studierenden überforderte und zum Teil zu chaotischen Tagungsverläufen führte. Der organisatorische Zusammenhang zwischen den einzelnen Tagungen als auch innerhalb der KSK selbst fehlte in zunehmenden Maße.

Als dann zudem der Kontakt zur VDS-Geschäftsstelle in Bonn und damit auch die Finanzierung der Tagung abbrach, trat die KSK nur noch auf privaten Einsatz einiger weniger Engagierter hin auf – mit bescheidenem Erfolg hinsichtlich der Teilnehmerzahlen sowie ihrer Ergebnisse.

Etwa seit der Tagung in Kiel 1983 war jedoch eine sichtliche Belebung hinsichtlich neuer Gedanken, Organisation und inhaltlicher Mitarbeit zu bemerken. Einerseits lag dies an der konzentrierten Initiative einiger Studierender, die die KSK vorerst mehr reanimieren als reformieren wollten. Andererseits nahm das Interesse der Studierenden aus verschiedenen Universitätsstädten an den KSK-Tagungen zu.

1984 beschloss das Sprechergremium in Hamburg, der Zusammenkunft der kunsthistorischen Studierenden wieder den Namen KSK zu geben – was der Bezeichnung des allerersten Zusammenschlusses der Studierenden im Januar 1969 in Bonn entsprach. Seit 1984 wurde auch der Kontakt mit dem VDS wiederhergesstellt, der aber durch die Auflösung der VDS Anfang der 90er Jahre hinfällig wurde (und somit leider auch die finanzielle Zuwendung von mindestens DM 1000,- pro Jahr!).

In der Folgezeit verliefen die KSK-Tagungen relativ regelmäßig und unspektakulär. Einen Ausgangspunkt für erneute Bemühungen, das Engagement der Kunstgeschichtstudierenden zu steigern, setzte die KSK im November 1994 in Bochum. Es zeigte sich ein starkes Interesse, erneut die Frage nach dem Selbstverständnis der KSK zu stellen. Diese Fragestellung sollte explizit in Marburg (am darauffolgenden Austragungsort) zu einer Sektion erhoben werden. Auch wurde aufgrund der geringen Teilnehmerzahl beschlossen, die Werbetrommel etwas lauter anklingen zu lassen, insbesondere in den "neuen" Bundesländern, aus deren Universitäten gar keine Teilnehmer in Bochum anwesend waren.

Die Marburger Konferenz im Mai 1995, die mittlerweile 54. Tagung, war gut besucht, auch waren aus den meisten "östlichen" Bundesländern Vertreter anwesend. Das Thema "Politische Repräsentation" bot sich in besonderem Maße dazu an Überlegungen zur derzeitigen Repräsentanz studentischer Interessen anzustellen; denn nicht zuletzt verstand sich die KSK immer auch als Interessenvertretung aller deutschsprachigen Studierenden des Fachbereichs Kunstwissenschaft.

Es wurde ein zentraler KSK-Ordner neu angelegt, die Möglichkeiten des Internet in Betracht gezogen und die Satzung novelliert. Die Kunsthistorische Studentenkonferenz (die KSK) wurde formal in den Kunsthistorischen Studierendenkongress (der KSK) umbenannt, da es sich bei der Tagung weniger um eine beratschlagende Versammlung (Konferenz) einer ständig bestehenden Institution handele, sondern um ein mehrtägiges (zwischen 3-5 Tagen) fachgerichtetes politisches Beschlussgremium (Kongress), das außerhalb des Tagungsrahmens nicht beschlussfähig ist. Wo und wann und unter welchem Themenschwerpunkt die jeweils folgende Kongresstagung stattfindet, wird laut Satzung des KSK jeweils auf dem Schlussplenum der aktuellen Tagung mehrheitlich beschlossen.

Seither wird zu jeder Tagung eine Dokumentation in Form einer Materialsammlung und ggf. eines Readers erstellt. Diese wird dem zentralen KSK-Archiv zugeführt, im Internet publiziert und an die Kongressteilnehmer sowie die Fachschaften im deutschsprachigen Gebiet ausgegeben.

Leider schien das Interesse der Studierenden um die Jahrtausendwende weitestgehend im Sande verlaufen zu sein, sodass der KSK kaum noch Anziehungskraft hatte und für einige Jahre aussetzte. Daraufhin entschloss sich der damals neu konstituierte Vorstand des Ulmer Vereins Ende 2004 dazu, neue Impulse zu geben durch die Wiedereinführung des KSKs in Form einer wissenschaftlichen Tagung umzusetzen. War zuvor der KSK vor allem ein Gremium, das hochschulpolitische Themen diskutierte, hatte er sich nun zur studentischen Tagung gewandelt und legte fortan den Schwerpunkt auf verschiedenste Themen der Kunstgeschichte als Wissenschaft. Doch schon kurz darauf mit der Bologna-Reform und der Einführung der Bachelor- und Masterstudiengänge trat der hochschulpolitische Aspekt wieder ganz brisant in Erscheinung.
Der Kunsthistorische Studierendenkongress ist also und war in seinen Ursprüngen ein politisches Instrument des wissenschaftlichen Nachwuchses der Kunstgeschichte, und er soll dies auch bleiben.

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Ulmer Verein - Verband für Kunst- und Kulturwissenschaften e.V.

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