Postwar Futures: Europa nach dem Krieg 1945–1965

Die Arbeitsgruppe hat zum Ziel, ausgehend von der Betrachtung der zwanzig Jahren nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs den vergangenen und zukünftigen Status „Europas“ für die moderne Kunstgeschichte zu erforschen. Wir sind nicht nur daran interessiert, die Kunst und die visuelle Kultur aus dieser Zeit neu zu untersuchen, sondern auch die Modelle der (Kunst-)Geschichte, die daraus entstanden sind, zu hinterfragen und aufkommende Narrative zu reflektieren – Untersuchungsschwerpunkte, welche in unserem Titel „postwar futures“ zusammengefasst sind. Wie wird die Erzählung der Geschichte eines Europas der Nachkriegszeit in 50 Jahren aussehen? Welche neuen Begriffe und Konzepte werden benötigt, um Europa angesichts der Expansion des Fachbereichs angemessen zu „dezentrieren“? Wie definieren wir Kategorien wie „Nachkrieg“ neu, wie es etwa Hannah Feldman angesichts des Fortbestehens von Neokolonialismus und Neoimperialismus – als Krieg mit anderen Mitteln – gefordert hat (Feldman 2014)? Welche Formen der kollaborativen Forschung können über geographische Grenzen hinweg entwickelt werden?

Die Arbeitsgruppe ist nach vier großen Forschungsbereichen organisiert, die jeweils einen noch nicht ausreichend untersuchten Aspekt in den Blick nehmen: Kunst als Handwerk (Prozesse), Das Erbe der Aufklärung und seine Heraus-forderungen (Öffentlichkeiten); Universalität vs. Diversität (Institutionen); Geschichtsbilder als Zukunftsbilder? (Historiografien). Im Fokus stehen daher die Felder, auf denen es zu Berührungen kommen konnte: Diskussionen über den Wiederaufbau bzw. über Neubau mit der Gestaltung von Orten der Gemeinschaft und urbanen Räumen; Konzepte von Einrichtung und Alltagsdesign der Wohn-räume und Arbeitsplätze; Erinnerungskultur; Dekolonisierung und Neo-Kolonisierung; Popularisierung von Kunst durch Ausstellungen und Massen-medien; Formen gemeinschaftlicher Kunstpraxis, etc. Ziel ist es, mit einer Neuperspektivierung auf die Nachkriegszeit in Europa an einem Instrumentarium zu arbeiten, das die bislang in der etablierten Kunstgeschichte marginalisierten Handlungspositionen gleichwertig einbezieht.

Auch wenn im Arbeitskreis dezidiert die Jahre 1945-1965 nicht als vorbereitender Transit, sondern als eine eigene Zeit mit ihren eigenen Kontexten in den Blick genommen werden sollen, sind Aufschlüsse für weitere Entwicklungen zu erwarten, mit denen sich zugleich die problematische Kategorie „Europa“ besser wird fassen lassen. Als Klammer haben wir das Weltkriegsende durch die Kapitulationserklärungen von Deutschland und Japan 1945 sowie das Erscheinungsjahr von Anni Albers' On Weaving 1965 für unsere Untersuchungen gewählt. Während das eine Datum durch ein einschneidendes historisches Ereignis markiert ist, kann man das andere als Abschluss in einem Prozess von Neupositionierungen und Entwicklung von neuen Narrativen verstehen: Das Buch von Albers verortet nicht nur die Moderne im Archaischen, sondern weist auch auf die künstlerische Auseinandersetzung mit Serialität und Wiederholung voraus. Mit Fragen etwa nach der Rolle von während des Faschismus Exilierten, den Verhältnissen zu den Kolonien, unterschiedlichen Lebensweisen, den Handlungs-räumen der Geschlechter oder dem Miteinander der Religionen rücken im Zeitraum zwischen 1945 und 1965 Themen in den Blick, mit denen neben einer Fortsetzung von Praktiken zur Kennzeichnung von Alterität auch Veränderungs-prozesse greifbar werden, die uns heute helfen können, Europa in einer Kunstgeschichte der Welt adäquat zu platzieren.

Der Arbeitskreis soll sich zunächst als ein überregionales Kolloquium zum Austausch von Forschungsfragen, -ideen und -ergebnissen im Rahmen der ausgeführten Untersuchungsfelder konsolidieren, um darauf aufbauend die weiteren Aktivitäten zu planen. We welcome scholars working with a broad definition of “Europe”, including histories of the former Eastern bloc, England and Scandinavia, Europe’s colonial reach abroad, émigré communities and “internal exiles”, as well as supra-national organizations based in this geographical area, such as the United Nations. Wir freuen uns, wenn an der Zusammenarbeit Interessierte mit uns Kontakt aufnehmen.

Initiatorinnen:
Theresa Köhl (Universität Tübingen)
Barbara Lange (Universität Tübingen)
Jordan Troeller (Freie Universität Berlin)

 Kontakt: b.lange@uni-tuebingen.de

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